Einfach atmen?
Sunday, March 30th, 2008Wie simple Übungen die Konzentration erhöhen
Endlich. Nachdem ich von einem anstrengenden Tag an der Uni heimgeradelt bin, setze ich mich erst mal hin. “Was gutes aus dem Kühlschrank wär’ jetzt nicht schlecht…” Mein Blick geht zum eben eingeschalteten Fernseher. “Nein, ich muss arbeiten, die letzten Vorlesungen nachbearbeiten.” Als ich endlich am Schreibtisch angekommen bin, schalte ich den Computer an. “Zuerst checke ich noch meine Mailbox.” Und so geht das weiter und weiter… bis der Gelbstift über ein paar “wichtige” Worte in meinem Buch zu streifen beginnt- bei anregender Musik aus dem Online-Radio natürlich.
Es gibt viele Dinge, die uns ablenken können und von unserer eigentlichen Tätigkeit abhalten. Und dann springt die Zeit von Stunde zu Stunde. Frage: Nützt das Lernen langfristig etwas, wenn wir uns stets “zwingen müssen”? Es geht auch anders. Und einfacher, als man denkt. Dies beweist unter Anderem die jahrhundertalte Tradition der taoistischen Meditation.
Die Taoistische Meditation ist ein weites Feld, das ich hier nicht näher erläutern möchte. Als Einleitung in diese Meditationslehre empfehle ich das Buch von Bruce Kumar Frantzis, welches mir im Folgenden als Grundlage für diesen Beitrag dient. Man muss zuerst eine Vorbereitungsphase durchgehen, bevor man an die Meditation selbst herangeht. Die vorbereitenden Übungen, die man solange wiederholt, bis man sich zum nächsten Schritt bereit fühlt, sind perfekt dazu geeignet, Ablenkungen zu vermeiden und die vorliegende Arbeit konzentriert zu bewältigen. Auch für westliche Lehrlinge, Studenten, Weiterbildende.
Es handelt sich dabei um einfache Atemübungen (Anatomie des Atemapparates). Dazu gibt es einige wenige, ebenfalls einfache Regeln: (1) Es ist auf eine angenehme Umgebung zu achten. (2) Die Atmung erfolgt stets durch die Nase; (3) Die 70%-Regel besagt, dass beim Ein- und Ausatmen keine grossen Anstrengung aufzuwenden sind, so dass die Übung mühelos sind. (4) Die Augen bleiben bei den meisten Übungen geschlossen.
Fangen wir gleich an mit der ersten Übung: Das Ziel ist, bei jedem Atemzug langsamer auszuatmen und dabei den Körper und die Umgebung bewusster wahrzunehmen. Ich zitiere:
” Stehe oder sitze in bequemer Haltung, Augen und Mund geschlossen. lege deine Zungenspitze oben an den Gaumen und lasse sie dort leicht ruhen. Entspanne alle deine Gesichtsmuskeln. Lasse deinen Geist gewahr werden, wie dein Atem in deine Nasenlöcher eintritt, während du ein- und ausatmest. (…) Wenn du die Atembewegung in deiner Nase fühlen kannst, dann verfolge die Wahrnehmung deines Atems stufenweise weiter. (…) Wenn du dir des Atems selbst bewusst wirst, dann lasse ihn allmählich entlang der Mitte deines Körpers nach unten vordringen und nimm alles dabei wahr. (…)”
Diese Grundübung kann nach und nach ausgebaut werden. Mir sind etwa zwölf unterschiedliche Übungen bekannt, die ich jeweils den nächsten Blog-Beiträgen als Anhang beifüge. Dabei ist wichtig, diese Übungen nicht als stereotype Esoterik zu betrachten, sondern als eine praktische und durchaus für jedermann praktizierbare Methode ernst zu nehmen versuchen. Ich persönlich habe mich damit schon länger auseinandergesetzt und bin der Meinung, dass ich dabei immer meine Kritik mitführe. Die persönliche Auseinandersetzung mit Meditationsmethoden - ob buddhistische oder taoistische - sollte immer im Kontext zu anderen Kulturen und ihren Methoden (in monotheistischen Religionen: Beten; in Naturreligionen: Rituale) erfolgt. Wenn nun auch die aktuelle Forschung und wissenschaftlichen Studien in diesem Zusammenhang gesehen werden, schliesst sich der Kreis. Nach der Schweizerischen Lungenliga gibt es weitere zahlreiche Atemübungen, die allerdings in Kombination mit Bewegungen auszuführen sind.
Es sind bereits zahlreiche Angebote auf dem Markt (Tendenz: steigend), die “bewusstes Atmen” lehren (Psychologisch-philosophische Seminare, esoterische Kurse oder Atemtherapien). Natürlich kann man auch viel Geld damit ausgeben, Wundermittel aus Amerika einzukaufen. Diese Vorschläge sind hinsichtlich psychischer Abhängigkeit bedenklich. - Oder man kann: einfach atmen. Denn es geht hier um die Frage, wie man selbst und ohne Hilfsmittel seine Konzentration fürs Lernen verbessert.





